++ Übung Flugzeugabsturz ++

13.06.2026
Feuerwehr
Feuerwehr simuliert Flugzeugabsturz

Rauch, Feuer, Trümmerteile, ein Wrack und Verletzte oder Tote, das ist wahrscheinlich eines der schlimmsten Szenarien, die man sich als ehrenamtlicher Retter vorstellen kann. Ist das Ganze dann noch auf einen Flugzeugabsturz zurückzuführen, macht es das Ganze noch schlimmer. „Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert, ist gering, auch wenn die Gefahren für die Piloten immer größer werden.“, so Gerhard Schmirler von der Flugsportvereinigung Neumarkt.  Damit die Retter auf alle Eventualitäten vorbereitet sind, machen sie regelmäßig Übungen. Dabei gibt es ab und an auch so besondere, wie zuletzt auf dem Flugplatzgelände in Neumarkt. Exklusiv für die Lupburger Feuerwehr hielten Gerhard Schmirler und Konrad Maier, selbst passionierter Pilot und Feuerwehrmann bei der Lupburger Wehr, eine Schulung für die aktive Mannschaft ab. Konrad Maier kennt somit beide Seiten und weiß, dass ein Flugzeug überall runterkommen kann, nicht nur rund um das Flugplatzgelände. Das ist auch für die Region Lupburg mit der Nähe zum Truppenübungsplatz durchaus einmal denkbar. Auf der ArmyBase trainiert man regelmäßig Szenarien rund um Hubschauber- und Flugzeugabstürze, aber die freiwilligen Wehren außerhalb haben das sehr selten gemacht.

Gerhard Schmirler gab den Feuerwehrleuten zunächst einen Einblick in die Luftraumstruktur und erklärte die Besonderheiten. So gibt es wegen des Truppenübungsplatzes in Hohenfels und wegen des Flughafens in Nürnberg bestimmte Korridore, die die Hobbyflieger in Neumarkt beachten müssen.  Vom Tower aus hatte man besten Blick auf den Flugplatz und dessen Struktur. Am Tag der Übung war es sehr windig und Schmirler erklärte, dass der Flugplatz in Neumarkt über einen wichtigen zivilen Hubschrauberlandeplatz verfüge. Zwar ist mittlerweile auch einer auf dem Dach des Klinikums eingerichtet, doch bei dieser Windgeschwindigkeit, die an dem Tag herrschte, wird kaum ein Pilot auf dem Dach landen. Die Feuerwehrler lernten auch, warum ein Flugzeug überhaupt fliegen kann und dass gar nicht so viel Kraftstoff drin ist, wie man meinen könnte. Interessant waren aber tatsächlich die Gefahren, mit denen die Flieger zu kämpfen haben. „Eine große Gefahr aktuell sind die Drohnen“, so Konrad Maier. „Die tauchen aus dem Nichts auf und fliegen dir in den Propeller, da heißt es dann schnell reagieren!“ Aber auch ein medizinischer Notfall des Piloten, die Wetterlage, ein Zusammenstoß oder ein technischer Defekt sind nicht auszuschließen. Schmirler erklärte die verschiedenen Baumuster und Werkstoffe der Flugzeuge, auch wichtig zu wissen. Als Feuerwehrler hat man bereits gelernt, Personen aus einem Auto zu retten, aber nicht aus einem Flugzeug. Die Bauweise ist eine ganz andere und somit auch das Werkzeug, dass man brauchen wird. Beim Flieger bietet sich die Motorsäge eher an als der hydraulische Rettungssatz. Auch appellierte Schmirler, der selbst Feuerwehrmann ist und auch lange beim THW tätig war, nur mit passendem Atemschutz an ein Flugzeugwrack zu gehen, denn man weiß nie, was der Flieger geladen hat. Gerade in der gewerblichen oder auch militärischen Fliegerei, kann man nie sicher genug sein. So ist auch ein erster Schritt immer den Benzinhahn zu suchen und abzudrehen. Tritt das Szenario dann tatsächlich ein, muss man auch auf alles gefasst sein, was man an Unfallmustern kennt. Man kann es mit Brandverletzungen, Platzwunden, offenen Brüchen, Schleudertrauma, Prellungen, Schock und Luxationen zu tun haben. Bei der simulierten Personenrettung am Ende sahen die Lupburger Feuerwehrleute dann in der Praxis, wie viel schwieriger es ist, eine Person aus einem Flugzeugcockpit zu holen, als aus einem Auto. Als Erstes musste die Cockpithaube entfernt werden, um überhaupt zu dem Piloten zu gelangen. Dann wurde das Flugzeug stabilisiert, da es ständig wackelte. Die Männer und Frauen zerbrachen sich dann den Kopf, wie man die Person am besten aus dem Cockpit heben könne. Am Ende stieg eine Einsatzkraft mit ins Cockpit, es wurde das Rettungstuch unter dem Patienten positioniert und dann versucht, mit der physikalischen Hebelwirkung zu arbeiten. Das gelang besser als gedacht und Pilot Konrad Maier lag nach kurzer Zeit gut gesichert auf dem Spineboard und konnte medizinisch versorgt werden. Danach wurden noch weitere Alternativen besprochen, wie ein Überbau eines Podests, um die Hebelwirkung zu verstärken. Hat man eine Seilwinde, könnte man auch diese nutzen. Das kommt aber auch immer auf die Ausrüstung der Wehr an.

Kommandant Markus Prechtl bedankte sich sehr bei Gerhard Schmirler, Konrad Maier und den unterstützenden Kollegen der Flugsportvereinigung Neumarkt für die gelungene Übung: „Danke, dass wir einmal über den Tellerrand schauen und hier üben durften! Wir hoffen, dass wir es nie brauchen werden, aber wenn, erinnert sich sicher jemand an das heute Gelernte.“ (ucv)